In diesem Artikel hab ich ein Thema mitgebracht, das wahrscheinlich nicht jedem so gefallen wird, aber dafür umso ehrlicher ist: Gitarrenunterricht ist oft Geldverschwendung.
Ja, jetzt hab ich’s gesagt. Und nein, ich hab heute keinen schlechten Tag. Das meine ich wirklich so.
Aber bevor du jetzt wütend dein Plektrum auf den Boden wirfst, lass mich erklären, warum ich das sage und warum du deinen Gitarrenunterricht vielleicht überdenken solltest.
Der teure Irrtum
Gitarrenunterricht gilt als der goldene Weg.
Du buchst Stunden, du zahlst brav, der Lehrer erklärt dir irgendwas mit Fingersätzen und du denkst: «Okay, das ist mein Investment in meine Zukunft als Gitarrenheld.»
Aber hier die unbequeme Wahrheit: Viele Schüler bezahlen nicht für den Fortschritt, sondern für das Gefühl, etwas zu tun.
Sie kommen jede Woche, spielen ihre Hausaufgabe runter, nicken, sagen: «Ah ja, stimmt» und gehen wieder heim, ohne sich wirklich verändert zu haben.
Das ist kein Unterricht, das ist musikalische Bürokratie.
Und weisst du, wer dabei am meisten verliert?
Nicht der Lehrer, nein, sondern du.
Deine Zeit, dein Geld und vor allem deine Motivation.
Warum viele Gitarrenlehrer es auch nicht besser wissen
Ich sag’s mal direkt: Es gibt fantastische Gitarrenlehrer da draussen.
Inspirierend, kreativ, musikalisch. Aber es gibt eben auch viele, die einfach nur Technik verkaufen.
Die unterrichten dann nach dem Motto: Hier ist die nächste Skala. Hier ist das nächste Pattern. Nächste Woche dann Sweep Picking. Und wenn du alles kannst, bist du gut.
Aber das stimmt einfach nicht. Wenn du nur lernst, wie man spielt, aber zum Beispiel nicht warum, dann wirst du zwar irgendwann schneller auf deinem Griffbrett, aber sicher nicht musikalischer.
Und ja, viele Lehrer haben’s einfach nie anders gelernt. Sie geben auch nur weiter, was ihnen irgendwann mal jemand gezeigt hat.
Ein unendlicher Kreislauf aus Fingersätzen, Skalen und Metronom-Terror.
Der Unterschied zwischen Lehrer und Coach
Ich finde, das Wort «Gitarrenlehrer» ist veraltet. Wir brauchen mehr Gitarrencoaches.
Ein Lehrer bringt dir Wissen bei.
Ein Coach bringt dich weiter.
Der Lehrer zeigt dir: «So spielst du die A-Moll-Pentatonik».
Der Coach fragt: «Warum benutzt du sie da, wo sie gar nicht passt?»
Der Lehrer zählt, wie viele Stunden du geübt hast.
Der Coach schaut, ob du überhaupt richtig übst.
Ein Lehrer arbeitet meistens stur nach Plan.
Ein Coach arbeitet mit dir.
Wenn du also Unterricht nimmst und nach einem halben Jahr klingt dein Spiel exakt so wie vorher, dann hast du keinen Coach, sondern einen Stundenplanverwalter.
Woran du guten Gitarrenunterricht erkennst
Hier ein paar ehrliche Kriterien.
- Du wirst musikalischer und nicht nur technischer. Wenn dein Lehrer dir hilft, Songs zu verstehen, Melodien zu hören und Musik zu machen, dann bist du am richtigen Ort.
- Er fordert dich, aber mit Sinn. Nicht einfach nur schneller, höher, weiter, sondern bewusster, klarer, musikalischer.
- Du spielst im Unterricht, du hörst nicht nur zu. Wenn du achtzig Prozent deiner Zeit zuhörst, statt zu spielen, dann bezahlst du im Grunde für eine Podcast-Folge einfach nur teurer.
- Es geht um dich, nicht um die Methode. Ein guter Lehrer hat keinen starren Lehrplan. Er hört dir zu. Er erkennt, wo du musikalisch hängst und nicht nur, wo du dich vergreifst.
Wann ist Gitarrenunterricht tatsächlich Geldverschwendung?
Gitarrenunterricht ist dann Geldverschwendung, wenn er dich in eine Abhängigkeit bringt.
Wenn du das Gefühl hast, ohne meinen Lehrer kann ich gar nichts, dann läuft was schief.
Guter Unterricht macht dich unabhängig, nicht abhängig. Wenn du nach einem Jahr Unterricht keine Ahnung hast, wie du selbstständig üben sollst, dann hast du virtuelle Fussfesseln bekommen und keine Hilfe für deine musikalische Entwicklung.
Das ist keine Investition. Das ist ein Abo. Selbstverantwortung, das vergessene Prinzip.
Aber fair ist fair. Die Schuld liegt nicht immer nur beim Lehrer. Viele Schüler wollen gar keine Eigenverantwortung. Die sagen zwar: «Ich will besser werden», aber was sie eigentlich meinen, ist: «Ich will, dass jemand mich besser macht.»
So funktioniert’s aber leider nicht. Wenn du Unterricht nimmst, ist das kein Service. Das ist eine Partnerschaft. Der Lehrer kann dir Türen zeigen, aber du musst die durchgehen Er kann dir den Weg zeigen, aber du musst die Schuhe schnüren. Manchmal musst du auch selbst merken, dass du gerade im Kreis rennst.
Was kannst du also stattdessen tun? Wenn du das Gefühl hast, du steckst im Unterricht fest, dann probier folgendes:
- Mach eine Unterrichtspause, aber bewusst. Kein Rückzug, sondern ein Experiment. Nimm dir vier Wochen Zeit, um selbst zu forschen. Analysiere Songs, improvisiere, hör auf deine Ohren. Oft lernst du in dieser Zeit mehr als in Monaten Unterricht.
- Finde Lehrer, die dich musikalisch herausfordern. Frag sie zum Beispiel beim ersten Gespräch: Wie arbeitest du mit Gehörtraining, Phrasierung und Ausdruck? Wenn da nur Fachbegriffe und irgendwelche Floskeln kommen, dann lauf, Forrest, lauf!
- Lerne, Fragen zu stellen. Nicht: Wie spiele ich das? Sondern: Warum klingt das so?
- Lerne, dich selbst zu unterrichten. Mach Aufnahmen von dir. Analysiere, was du da eigentlich tust. Werde dein eigener Coach.
Gitarrenunterricht mit einem Lehrer kann Gold wert sein, aber nur, wenn er dir zeigt, wie du ohne ihn klarkommst.
Ein guter Lehrer ist wie ein guter Arzt. Er will, dass du ihn irgendwann nicht mehr brauchst. Ein schlechter Lehrer will, dass du ewig zurückkommst.
Und wenn du das Gefühl hast, du lernst mehr aus YouTube, Jam Sessions oder einfach durchs Spielen mit Freunden, dann ist das kein Zeichen von Faulheit. Das ist ein Zeichen von Wachstum.
Denn am Ende geht’s nicht darum, wer dein Lehrer war, sondern ob du klingst wie du.
Also wenn du gerade Unterricht nimmst, frag dich ehrlich: Lernst du Musik oder lernst du nur Bewegungen? Wirst du freier oder abhängiger?
Und falls du merkst, du brauchst weniger Lehrer und mehr Inspiration und Coaching, dafür gibt’s den Gitarrenjunkie. 😉
Und das war wieder mal eine ehrliche Dosis musikalischer Realität. Bleib neugierig und spiel bewusst.
Schreibe mir gerne deine Meinung als Kommentar.
Dein Gitarrenjunkie
